Ich bin in Discotheken aufgewachsen, in denen hauptsächlich Funk & Soul lief, bevor so langsam sich der House in den Zappelbunkern durchsetzte. Die Scheiben von Chic waren damals schon Klassiker und wüsste ich es nicht besser: Ich würde vermuten „I’ll Be There“ ist ein Titel aus den 70ern. Gut, das Video zeigt teilweise aktuelle Bilder von Nile Rodgers, dem Mastermind von Chic, der ja auch z.B. bei „Get Lucky“ von Daft Punk an der Gitarre mitgewirkt hat. Aber nein – der Track ist tatsächlich aus dem Jahr 2015. Als wenn gerade eben eine Zeitkapsel gelandet wäre und 40 Jahre musikalisch sich nix verändert hätte.
The good old times are back…

RDGLDGRN: Doing the Most

RDGLDGRN? Was ein bescheuerter Name – aber wenn man weiß was es bedeutet: Das steht für/wird ausgesprochen Red Gold Green, es sind die Vokale weggelassen. Und die drei Mitglieder kleiden sich immer in diesen Farben.
Ich gebe einmal eine Prognose ab: Das Ding stürmt noch die Charts in Deutschland. Gesehen hab ich das das erste Mal als „Pausenclown“ bei Circus Halligalli auf Pro7, gestern hörte ich es als Hintergrundmusik bei einem Teaser bei Kabel1. Die Promotion Maschine läuft offensichtlich.
Die Band hat bei diesem Track prominente Unterstützung: Dave Grohl spielt die Drums und Produziert wurde es von Pharrell Williams.
(in Deutschland) unbekannte Band, prominente Supporter aber vor allem gute Laune Mucke. Mal sehen, ob ich Recht behalte…

Bill Withers – Lovely Day

Es gibt Lieder, die hört man und ZACK hat man einen Ohrwurm. So ging es mir gestern mit Lovely Day von Bill Withers. Das Original stammt von 1977, das Lied wurde öfters rereleased. Und das zu Recht. Einmal kurz gehört und man hat gute Laune. Schaffen nicht viele Songs…

Neue Deutsche Welle. Heute denken die meisten da an Spaßgesellschaft. Furchtbar herumalbernde Witzfiguren, die banale Musik machen. Man könnte auch bösartig sagen, dass das die Urväter der heutigen Ballermannmusik sind. Aber es gab auch echte musikalische Highlights in der NDW. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mal wieder auf YouTube gestöbert und bin dabei auf ein Konzert von TRIO gestoßen.
Ja, der Schlagzeuger Peter Behrens ist „gelernter“ Clown und seine leidenschaftslose Mimik ist sicherlich Blödelei. Und ja, die Texte wurden sicherlich nicht für den Nobelpreis nominiert. Aber trotzdem: Wenn Ihr mal 1 Stunde 16 Zeit habt, zieht Euch das Konzert rein. Es kratzt schon an Genialität, was die drei nur mit Gitarre, Minimalschlagzeug und Gesang auf die Beine stellen. Sie auf „Da da da“ zu reduzieren wird ihnen nicht gerecht.
Wie Sänger Stefan Remmler allerdings auf die schiefe Bahn geraten konnte, sprich Schlager machen konnte, bleibt mir bis heute vollkommen unverständlich.

Als ich das neuste Werk „Blast Off“ von David Guetta & Kaz James gehört habe, dachte ich mir: Moment, das Gitarrenriff kennt man doch!

Das wurde schon einmal als Sample genutzt für das Brett von Apollo 440 „Ain’t Talkin‘ Bout Dub“. Geiler Track damals.

Ich finde solche Flashbacks immer cool. Und ein Hoch auf das Internet, dass man sich den Gedankenflash gleich anhören kann. „Erfunden“ haben Apollo 440 das Riff natürlich nicht. Original stammt es von dem Van Halen Track „Ain’t Talkin‘ ‚Bout Love“.

Obwohl ich normal auf das unverfälschte Original stehe – mein Favorit unter den 3 Liedern ist eindeutig die Apollo 440 Version. Durch die Geschwindigkeit, in der das Riff verwendet wird, wirkt es einfach am dreckigsten…

Es gibt so Situationen, da läuft irgendwo in einem Film, einer Reportage ein Song im Hintergrund, man kennt es. Aber scheiße nochmal, was war das nochmal? Als ich letzthin Paranoimia von The Art Of Noise hörte wusste ich es sofort.
Als der Song 1986 herauskam, war der erste computergenerierte Moderator Max Headroom, der ab 1984 im britischen Fernsehen Videoclips anmoderierte, längst Kult. Heute schmunzelt man über die primitive Grafik, in den 80ern war das der Stand der Technik, wenn nicht sogar sensationell. Und mit diesem Lied wurde er zum Popstar.
Ganz ehrlich? Ohne Max Headroom wäre der Song noch einen deutlichen Tick cooler. Eine wunderbare elektronische Soundcollage, die mit vielen Samples arbeitet und auch nach fast 30 Jahren immer noch hörbar.

Der Bundesvision Songcontest ist für mich zu großen Teilen ein Witz. Irgendein Bundesland nominiert eine Band, die gerade mega angesagt ist und längst in den Charts und räumt dann ab. Chancen für Newcomer? Gleich null. Aber ab und an mogelt sich unter die Kandidaten ein Act, der meine Aufmerksamkeit erregt.

Dieses Jahr ist das für mich Luna Simao mit “ Es geht bis zu den Wolken“. Die Sängerin? Noch nie gehört, den Song dementsprechend auch nicht. Das erste Mal gehört und ich war sofort drin. Gute soulige Mukke aus Deutschland. Ich hoffe man hört noch mehr von Luna Simao in der Zukunft. Ganz egal, wie sie letztendlich abschneidet: Danke Bundesvision Songcontest für diese Sängerin und diesen Song!

 

Letzthin stolperte ich im Soundtrack eines Films über diesen Discoklassiker von Diana Ross von 1980. Und ich fand eine schöne Parallele zur aktuellen Musik. Denn obwohl er nicht mit auf dem Cover steht, ist doch der Gitarrist Nile Rodgers, der dem Lied seinen besonderen Sound gibt. Nile Rodgers ist der Gitarrist von Chic. Und dieses Jahr griff er wieder einmal in die Saiten für einen Dance Track: Bei „Get Lucky“ von Daft Punk.

Nile Rodgers ist unverkennbar aus beiden Titeln herauszuhören. Ich will nicht sagen, dass seine Gitarre die Lieder zum Hit machen, aber er setzt das wichtige i-Tüpfelchen obendrauf…

Schon interessant, wo Chic überall ihren Einflüsse hinterlassen haben – ich hatte ja schon einmal darüber geschrieben.

Letzthin bin ich mal wieder über Tha Crossroads von 1996 gestolpert. War damals gar nicht so unerfolgreich und wenn ich mir den Titel reinziehe, dann verstehe ich auh heute noch warum. Irgendwie ist das kein Lied, sondern ein wunderbarer chilliger Klangteppich.

Eigentlich vermeide ich ja hier etwas über aktuelle Songs zu schreiben noch dazu, wenn sie heftige Chartchancen haben. Ich konnte gestern aber nicht einschlafen und habe mir nachträglich online den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 reingezogen. Keine wirkliche Herzblutveranstaltung von mir, aber mal nett anzusehen. Ich hab mir nicht alle Titel angehört, den Gewinnersong von Cascada finde ich einfach nur flach, erinnert mich von der Qualität an 90er Jahre Eurotrash. Interessant fand ich bei der Ergebnisliste, wie weit Radio-Vote-Punkte, Jury Punkte und Zuschauer-Punkte voneinander differieren. Und ganz ehrlich? Ich bin eher auf der Seite der Jury, die ihre Maximalpunktzahl BLITZKIDS mvt. gegeben hat, die bei Zuschauern und Radiovoting fast vollkommen unten durchgefallen sind.

Gut, die Optik erinnert mich ganz klar an meine Jugend Mitte der 80er – auf die sie sich ja auch mit ihrem Bandnamen beziehen. Vielleicht haben sie auch deshalb bei mir einen Stein im Brett, obwohl ich (im Gegensatz zu einiger meiner damaligen Freunde) damals nicht so rumgelaufen bin. Der von der Presse oft gebrachte dumme Vergleich „deutsche Lady Gaga“ hinkt für mich vollkommen. Für mich ist das die verspätete weibliche deutsche Antwort auf Steve Strange.

Kein Megabrett unter dem Herrn, aber durchaus ein cooler Song mit Ohrwurmtendenz, der hoffentlich in den Charts mehr Erfolg haben wird, als dieser Cascada Blödsinn. Ist Euch eigentlich schon mal aufgefallen, daß Cascada zwar regelmäßig in den Charts ist, aber eigentlich nie in einem ernstzunehmenden Club gespielt wird?

Wie Deutschland mit dem Cascada Song abschneiden wird, ist mir eigentlich egal. Mit ernstzunehmender Musik hat der Titel für mich eh nix zu tun.